Kommentar zur Stiftungsgründung „Zukunft Wald“

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„Wir investieren Geld in den Wald, nicht in Mitarbeiter“

Diese Überschrift des beigefügten Artikels in der Braunschweiger Zeitung vom 25.04.2009 – Niedersachsen und die Region – anlässlich der Stiftungsgründung „Zukunft Wald“ spricht Bände. Man muss Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen eines lassen: Er ist eine ehrliche Haut und spricht aus, was er meint; manchmal auch, was ihm seine leitenden Förster vorgelegt haben, die es so vielleicht selbst nicht ausdrücken würden. Qualifizierte Mitarbeiter, die allein in der Lage sind, Wertschöpfung im Wald für die Gesellschaft zu ermöglichen, könnten die jährlichen Geldgewinnbilanzen nicht erbringen.

Die neue Stiftung der Niedersächsischen Landesforsten soll bedrohte Arten und Naturräume in den Wäldern Niedersachsens künftig stärker schützen (war dank LÖWE nicht bisher bereits alles super?).

Dann folgen die gewohnten Phrasen: „Das ist in Deutschland einzigartig, dass sich die Forstverwaltung einer solchen gesellschaftlichen Aufgabe annimmt.“ So kennen wir es: LÖWE als EU-anerkannter Exportschlager usw...

Die Landesforsten stellen zwei Millionen Startkapital zur Verfügung. Das ist eine Menge Geld, womöglich steuerfrei. Das Geld stamme aus den Gewinnen des Kyrill-Jahres 2007. Was kann es nach einem Sturmereignis eigentlich für Gewinne geben? Was ist in diesem Zusammenhang ein Gewinn?

Der inflationsbereinigte Kapitalertrag aus den zwei Millionen Euro reicht zunächst wohl für die Finanzierung der Stelle des Stiftungsdirektors. Damit wird der Wirtschaftsbetrieb zunächst um die Kosten dieser Stelle entlastet. Stiftungsdirektor Franz Hüsing war längere Jahre Dezernent im Niedersächsischen Forstplanungsamt, danach für einige Jahre Leiter des Forstamtes Braunschweig und – nach der Zusammenlegung mit dem Forstamt Elm – Leiter des Forstamtes Wolfenbüttel.

In dieser Zeit stand er im Zentrum einer öffentlichen Diskussion um Serienkahlschläge in alten Eichenwäldern sowie kahlschlagähnliche Abnutzungen alter Buchenbestände der FFH- und Vogelschutzgebiete der Braunschweiger Wälder und des Elm.

Das Stiftungsvermögen soll aus Teilen der jährlichen Gewinne der Landesforsten und Zustiftungen aus privater und öffentlicher Hand aufgebaut werden. Es soll damit als zusätzliches Standbein des Naturschutzes in den Wäldern zu sehen sein, da es Aufgaben übernehme, die nicht originär zu denen der Landesforsten zählen. Vor der Presse wurden zunächst die Pflichtaufgaben aus dem Anstaltsgesetz aufgezählt:

Der Arten- und Naturschutz gelte als Schwerpunkt, ein weiteres Standbein sei jedoch die „Waldbildung“ in Form von Führungen, Exkursionen, Projekten und Waldaktionen.

Es wird sich zeigen, ob diese Stiftung über die Pflichtaufgaben hinaus Naturschutz und Waldbildung betreibt. Dann wäre sie uneingeschränkt zu begrüßen. Wenn sie Pflichtaufgaben aus steuerlichen Gründen auslagert, Gelder einsetzt, die aus Übernutzungen der Vergangenheit oder Kompensationsverpflichtungen rühren und als Waldbildung bezeichnet, was sich in der Realität überwiegend als PR in eigener Sache versteht, dann wäre sie ein trojanisches Pferd.

Ein allgemeiner Trend könnte dann im Falle des Waldes um eine weitere Nuance erweitert werden: Der behördliche und ehrenamtliche Naturschutz wird auf politischem Wege Zug um Zug ausgetrocknet, vor allem durch personelle Unterbesetzung und Entzug von Geldmitteln. Funktionsträger in den öffentlichen Betrieben holen sich auf politische Anweisung ihrer Minister Geldmittel auf dem gleichen schmalen Markt, auf den ehrenamtliche Organisationen angewiesen sind, insbesondere von Stiftungen und europäischen Förderkulissen. Sie stärken auf diese Weise sowohl den politischen, als auch ihren eigenen Einfluss auf die gesellschaftlichen Ziele, die sie nach ihren Interessen formen und durchsetzen. Schon jetzt gibt es willfährige Naturschutzgruppen, die sich diesen Strukturen andienen, um an ihnen zu partizipieren. Sie werden dann gegen die anerkannten Naturschutzverbände gestellt, die sich dagegen wehren, sich auf diese Weise gegen ihren gesellschaftlichen Auftrag vereinnahmen zu lassen. Zu diesem Auftrag gehört auch eine Widerspruchskultur, die dazu beiträgt, Fehlentwicklungen zu minimieren.

Die begleitende PR verbreitet flankierend frohe Botschaften, die von den Medien kaum noch hinterfragt werden und unreflektiert wiedergegeben werden und fertig ist die gute Botschaft in einer heilen Welt.

Auf der Strecke bliebe dann die Wahrheit in der Sache.

Karl-Friedrich Weber

 

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