Mal wieder zieht ein Grüner in noch grünere Auen, um dort kräftig abzugrasen. Der Mann heißt Matthias Berninger, war mal Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium und ist bislang noch Chef der hessischen Grünen und wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion im Bundestag. Künftig wird er dem Lebensmittel-Konzern Mars verbrauchte Energien zurückbringen. Da wird er Direktor. Direkter geht's nicht mit dem Aufstieg in die Wirtschaftsgipfel und dem Abstieg der Grünen in die Niederungen der moralischen Tiefebenen. Erst die Lobby als Hobby, und dann ab zum Mars! Das war's.
Rezzo Schlauch hat es vorgemacht. Der war mal Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Und als rot-grün nun abgewählt war, stand der Schlauch auf dem selben. Und er weinte gar bitterlich: „Wohin mit meiner ganzen erneuerbaren Energie?“, so barmte er. Da traf es sich gut, dass der Atomkraftwerke-Betreiber EnBW gerade einen neuen Beirat brauchte. Das läßt man sich auch was kosten. Wie der Volksmund so sagt: Guter Beirat ist teuer. So eine Beiraterei ist ja auch mächtig anstrengend. So was schlaucht...
Und was macht so ein Beirat? Des Schlauchens Aufgabe sei es, so ließ der Konzern verlauten, „das Unternehmen zu beraten in Fragen seines gesellschaftlichen Umfeldes“. Denn so ein Energieriese, der steht ja mit seinen Reaktoren nicht nur so einfach blöd in der Landschaft rum, nein der steht außerdem in einem gesellschaftlichen Umfeld. Und in diesem gesellschaftlichen Umfeld fällt so ein Stromriese manchmal schon unangenehm auf, besonders wenn er auch noch atomar vor sich hinrülpst. Und deshalb braucht der Riese einen kleinen Beirat, also einen grünen Gartenzwerg. Eine Gesinnungspygmäe, die so ein bißchen vor sich hin korrumpelt.
Immer nach dem Motto:
Ach wie gut, dass jeder weiß,
dass ich Korrumpelstielzchen heiß.
Weiterhin habe dieser Zwerg dem Riesen „die gesellschaftlichen Wahrnehmungen vom Erscheinungsbild des Unternehmens zurückzuvermitteln“ (so die Arbeitplatzbeschreibung). Das ist ja das Blöde bei einem gesellschaftlichen Umfeld: Es hat offenbar auch eine gesellschaftliche Wahrnehmung. Und um die muss man sich kümmern, damit diese Wahrnehmung auch das für wahr nimmt, was sie als wahr hinnehmen soll. Da geht es um die alte philosophische Frage von Wesen und Erscheinung. Soll heißen, es geht eben nicht um das Wesentliche, sondern um das Erscheinungsbild. Ums Imätsch.
Imätsch ist vor lateinischen Imago abgeleitet. Ein Begriff, den man auch in der Insektenkunde kennt. Mein Brockhaus teilt mir mit: „Mit Imago bezeichnet man in der Biologie ein Insekt in seiner höchsten Entwicklungsphase, zum Beispiel die ausgewachsene Heuschrecke.“ Und weiter: „Ziel der Imago ist die Fortpflanzung mit Hilfe der zuvor erworbenen Energie-Reserven.“ Weshalb so eine Heuschrecke nie unfortgepflanzt auftaucht, sondern in gefräßigen Schwärmen zwecks Energiereservengewinnung. Aber das hatten wir ja schon alles bei unserem Biologielehrer Müntefering, dem Heuschrecken-Franz.
Zurück zum transformierten grünen Imätsch: Zum Beispiel sieht ja das Erscheinungsbild von so einem Atomreaktor für viele ein bisschen gruselig aus. Dagegen haben die Grünen in ihren jungen Jahren heftig angestänkert. Aber inzwischen sind die meisten schon ziemlich altersschwach auf der grünen Brust. Vom Hirn ganz zu schweigen. Kein Wunder! Manch grüner Bregen war früher bei den Demonstrationen vor den Atomreaktoren heftigen Strahlungen ausgesetzt. Die Spätfolgen sind heute offensichtlich, wenn mancher Grüne auf seine alten Tage so'n bisschen tscherno-debil wirkt.
Und wenn man sich schon nicht mehr um Inhalte kümmert, dann doch zumindest um das Erscheinungsbild: Das ist die Aufgabe der grünen Gartenzwerge. Da sagt dann der kleine Rezzo zum Energieriesen: „Du, Riese, ich muss dir das mal so krass sagen. Also, das Erscheinungsbild von deinem Atomreaktor sieht echt Scheiße aus.“
Da wird der Riese ganz bleich und stammelt: „Das weiß ich ja auch. Aber ich brauch das Ding doch, was soll ich denn machen?“
„Tscha“, sagt der Rezzo pfiffig, „dafür hast du mich ja als Beirat. Du musst das Erscheinungsbild von deinem Atom-Reaktor verändern, und zwar möglichst so, dass ihn keiner mehr sieht.“
„Und wie soll das gehen?“, fragt der Riese traurig.
„Ganz problemlos“, strahlt Rezzo, „wir bauen einfach um den Reaktor herum einen Wald von Windrädern, und zwar so dicht, dass man vor lauter Wald keinen Reaktor mehr sieht.“
„Aber das sieht doch erst recht Scheiße aus“, meint der Riese.
„Das stimmt“, gibt Rezzo zu, „aber dann meckern die Leute nicht mehr über dich, den gemeinen Atom-Riesen mit seinem bösen Reaktor. Nee, die schimpfen dann auf uns Grüne, weil wir diese blöden Windräder erfunden haben, die ein Umweltverbrechen an jeglicher Landschaft sind.“
Da lacht der Riese so laut, dass alle Brennstäbe wackeln. „Hoho! Das gefällt mir. Dann kann ich mich in dem Wald verstecken und in aller Ruhe meine atomare Energie neu sammeln.“
„Genau“, lacht auch Rezzo, „Dafür war ich schon immer! Für erneuerbare Energien.“
Woran man sieht, dass auch Gesinnungspygmäen ihrem inneren Wesen stets treu bleiben. Man muss eben nur ab und zu mal das Erscheinungsbild ändern.